Spa Grand Prix

Ein legendärer Kurs in der Welt des Motorsports...

Die in schöner Regelmäßigkeit von Fahrern aus aller Welt gelobte Rennstrecke von Spa-Francorchamps zählt zu den mythischen Kursen des Motorsports.

Seit 1985 regelmäßiger Austragungsort des Großen Preises von Belgien der Formel 1, verdient ihr legendärer Kurs mit etwas über 7 km – der längste der Weltmeisterschaft – gewiss den offiziellen Status als "schönste Rennstrecke der Welt".

Dieses Etikett, das nirgendwo in der Welt ernsthaft bestritten wird, verdankt der Rundkurs von Spa seinem hügeligen Profil, seinen schnellen Kurven, selbstverständlich seiner berühmten und einzigartigen Raidillon, aber auch einem natürlichen majestätischen Rahmen inmitten von Tannenwäldern, in denen der Motorenlärm widerhallt. Ein wahres Juwel, das laufend an die neuesten Sicherheitsnormen der FIA angepasst wird. Dieses belgische Denkmal ist ebenso weltbekannt wie das Atomium oder die Grand Place in Brüssel.

...und auch ein Anziehungspunkt

Von Juan-Manuel Fangio bis Alberto Ascari über Jack Brabham, Bruce McLaren, Jim Clark, Alain Prost, Ayrton Senna, Michael Schumacher und nicht zu vergessen Henri Pescarolo, Fernando Alonso, Tom Kristensen, André Lotterer, Jacky Ickx, Thierry Boutsen, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton haben die größten Namen des internationalen Automobilsports hier schon einmal triumphiert.

Das schon vor einigen Jahren zur permanenten Rennstrecke gewordene Spa-Francorchamps ist heute ein echter touristischer und sportlicher Anziehungspunkt, der den GP von Belgien der Formel 1, die 24 Stunden von Spa, die WEC, aber auch unterschiedlichste Aktivitäten, nationale Rennen und ausländische Meisterschaften, Testtage, Jungfernfahrten, Besuche und Incentives auf einer Strecke ausrichtet, die acht Monate im Jahr geöffnet ist.

Vor Kurzem hat die Rennstrecke von Spa-Francorchamps einen neuen Weg eingeschlagen: Sie möchte sich lückenlos vernetzen inklusive kostenlosem WLAN für die Besucher und zahlreichen neuen Services der der Zukunft. Das Fanerlebnis gehört zu ihren Prioritäten, und auch ihre Infrastruktur wird laufend optimiert, um sich noch stärker auf das Publikum auszurichten und ihm noch attraktivere Dienstleistungen zu bieten. In Kürze feiert die Rennstrecke ihren 100. Geburtstag mit einer Ausstellung, die 2019 eröffnet wird.

Die Kurven

La Source,auch "Haarnadelkurve La Source" genannt, ist die erste Schwierigkeit, die es nach dem Start zu meistern gilt. Die als U konstruierte Kurve ist die langsamste der Strecke. Diese Stelle hat ihren Namen von den diversen Wasserquellen (frz. „Source“), die es in der Gegend und besonders um Spa herum gibt.

L’Eau Rouge ist ein Bach, der unter einer kleinen Brücke am Fuße der Raidillon hindurchfließt. Im Englischen heißt sie nur „Eau Rouge“ und meint auch die Raidillon, ohne diese zu erwähnen. Die Eau Rouge ist ein Zufluss zum Fluss Amel, der früher die Grenze zwischen dem römischen und dem germanischen Reich und später zwischen Belgien und Deutschland war.

Die 1939 konstruierte Raidillon („steil ansteigender, kleiner Weg“) hat von der Ein- bis zur Ausfahrt der Kurve einen Höhenunterschied von rund 40 Metern. Ihr Kennzeichen ist eine äußerst eindrucksvolle Rampe, nachdem die Boliden aus der Haarnadelkurve La Source hinuntergefahren sind. Für diesen Streckenabschnitt, den zahlreiche Fahrer für die schönste Dreifach-Herausforderung der Welt halten, braucht es großes Können: nicht nur, um auf der Fahrbahn zu bleiben, sondern auch, um mit möglichst hoher Geschwindigkeit in die Gerade einzufahren, die nach Les Combes führt. Dann befinden sich die Piloten vor einer Mauer und einer Folge von Links-Rechts-Links-Kurven, ohne den Gipfel sehen zu können. Die Raidillon ersetzte die enge Kurve um das ehemalige Zollhäuschen durch eine kürzere und schnellere Streckenführung. Im Laufe ihrer sehr langen Geschichte hat sich die Rennstrecke der Entwicklung des Motorsports angepasst, um die Sicherheitsanforderungen und von zuständigen Verbänden (heute der FIA) auferlegten Normen zu erfüllen, ohne dabei ihre Seele als – für Fahrer wie Fahrzeuge – äußerst anspruchsvolle Strecke zu verlieren. Die dort wirkende g-Kraft macht große Geschicklichkeit und beste Streckenkenntnisse nötig.

Le Kemmel. Der Kemmel-Anstieg führt von der Raidillon zur Kurve von Les Combes über einen langen Asphaltstreifen mit charakteristischem Hang und einer Kurve, die mit Schwung in vollem Tempo genommen wird. Die höchste momentane Geschwindigkeit der Strecke wird am Ende des Kemmel-Anstiegs gefahren.

Les Combes. Die Schikane von Les Combes ("kleiner Tal-Kessel") ist ein sehr technischer Abschnitt der Strecke: Eine Rechts-Links-Doppelkurve mündet in eine Kurve nach rechts, von der abhängt, wie schnell man die Abfahrt Richtung Bruxelles in Angriff nimmt.

Bruxelles ist eine Rechtskurve, die nie zu enden scheint. Diese Kurve wurde auch „Rivage“ genannt, wie das Dörfchen in der Nähe. Kurz hinter dieser Herausforderung kommt eine – scheinbar harmlose – Kurve nach links, die schon so manchen Fahrer überrascht hat. Diese kleine Linkskurve heißt auch Speakers Corner, weil man sie nur von der ehemaligen Sprecherkabine aus sehen konnte.

Die Doppellinkskurve von Pouhon ist eine der schwersten Prüfungen der Strecke. Nach einer geraden Abfahrt wird Pouhon mit atemberaubendem Tempo genommen. Ursprünglich meint „Pouhon“ eine eisenhaltige Quelle, der Spa seine Berühmtheit verdankt. Das Wort bedeutet "Ort, an dem man Wasser schöpft".

Fagnes. In die Doppelkurve von Fagnes fährt man mit sehr hoher Geschwindigkeit ein, weil sie einen kurzen geraden Abschnitt nach der sehr schnellen Doppellinks hat. Ihr Name ist eine Hommage an die Venn-Region (frz. "Fagnes"), in der das Dorf Francorchamps liegt.

Campus. Die Campus-Kurve ist eine schnelle nach rechts. Ihren Namen hat sie vom Campus Automobile, der an die Strecke angrenzt. Er ist ein Kompetenzzentrum, das auf technologische Bildungsgänge spezialisiert ist. Sein Studienangebot richtet sich hauptsächlich an Ingenieure und Techniker. Das Ausbildungszentrum ist in den Tätigkeitsfeldern Automobilindustrie, Motorsport und technologische Forschung aktiv.

La Courbe Paul Frère. Die Kurve Paul Frère liegt an der Nahtstelle des 7.004 Meter langen Kurses und des alten Teils der Rennstrecke und führt von Stavelot wieder hinauf nach Blanchimont. Paul Frère war der größte Rennen fahrende Journalist aller Zeiten. Als vielfacher Sieger im Prototypensport wurde er beim Großen Preis von Belgien der Formel 1 im Jahr 1956 Zweiter. Auf Einladung von Enzo Ferrari fuhr er seinen elften und letzten Grand Prix und zeigte dabei eine beispiellose Leistung.

Blanchimont, benannt nach dem Dorf gleichen Namens, ist eine doppelte Kurve, die wegen der Geschwindigkeit, die dort erreicht wird, besonders schwierig zu fahren ist. Die Asphaltierung aller äußeren Streckenränder hat die Durchfahrt eindeutig viel sicherer gemacht.

La Chicane. Die letzte Prüfung, die es zu meistern gilt, ist eine langsame S-Kurve, die den wenig originellen Namen "Schikane" trägt. Früher nannte man sie "Bus Stop", weil sich damals, als die Strecke zeitweise für den Verkehr geöffnet war, dort tatsächlich eine Bushaltestelle befand. Die Rechts-Links-Kurve ist sehr eng, und man muss sie unbedingt korrekt ausfahren – nicht nur, um eine schnelle Runde bestmöglich zu beenden, sondern auch, um gut in die nächste zu kommen. Nach der Schikane führt die Gerade die Boliden zu La Source, und es geht wieder von vorne los!